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Schneeschuhwandern

Schneeschuhwandern gewinnt in der Schweiz zunehmend an Beliebtheit. Schneeschuhe waren in der Vergangenheit in schneereichen Gegenden ein übliches Fortbewegungsmittel. Über die Schneeschuhe wird das Gewicht auf eine grössere Fläche verteilt, so dass der Schneeschuhträger leichter durch tiefen Schnee gehen kann.

In den letzten Jahrzehnten hat sich das Schneeschuhwandern gegenüber dem Skitourengehen zu einer alternativen Sportart entwickelt. Seit 2006 werden sogar Weltmeisterschaften im Schneeschuhlaufen ausgetragen. Träger ist die World Snowshoe Federation WSSF.

Für wen passen Schneeschuhtouren und welche Kondition benötigst du dafür?

Beim Schneeschuhwandern erlebst du eine Ruhe und Ausgeglichenheit, die dich die Natur besonders geniessen lässt. Aber auch für eine einfache Schneeschuhtour benötigst du eine Grundkondition. Mit steigendem Gelände und Schwierigkeitsgrad steigt auch die von dir benötigte Kondition. Du solltest dies nicht unterschätzen. Der Schweizer Alpenclub SAC hat eine Schneeschuhtourenskala veröffentlicht, die verschiedene Schwierigkeitsgrade darstellt. Schneeschuhtouren decken also die ganze Bandbreite ab zwischen Volkssport in der Freizeit und Leistungssport. Oftmals nutzen Nordic Walker diese Sportart als winterliche Ergänzung.

Wie bereitest du dich auf eine Schneeschuhtour vor?

Auf einer Schneeschuhtour hast du sehr unterschiedliches Gelände zu überwinden. Um dabei gut voranzukommen und Kraft zu sparen, empfehlen sich unterschiedliche Schritttechniken. In flachem Gelände kannst du im Normalschritt bleiben. Deine Schritte fallen lediglich etwas breiter aus als normal. Wichtig ist, dass du möglichst aufrecht gehst und dein Körperschwerpunkt dabei mittig über dem Schneeschuh liegt.

Bei zunehmender Steigung aktivierst du am besten die Steighilfe. Ist die Steigung nur minimal (unter 25 Grad), kannst du den Frontalschritt in Falllinie wählen. Du bleibst also in der normalen Schrittfolge, ähnlich wie beim Berggehen. Wird die Steigung steiler, verwendest du am besten den sogenannten Entenschritt, auch V-Schritt genannt. Die Schneeschuhe bilden ein V, das mit zunehmender Steigung breiter wird. Fällt dir das schwer, kannst du auch einen Schritt normal in Falllinie belassen und das V nur mit dem anderen Schneeschuh bilden. So, wie es dir besser gelingt. Ist der Untergrund eisig und hart, so rammst du die Schneeschuhe bei jedem Schritt mit der Kralle fest ins Eis bzw. den harten Schnee. Sehr steile Stellen nimmst du am besten in der Treppentechnik, indem du die Schneeschuhe rechtwinklig zum Hang setzt. Wird der steile Hang zu lang für diese Technik, so gehst du ihn am besten in Spitzkehren an, wie Serpentinen. Damit wird der Weg zwar länger, aber du sparst damit viel Kraft.

Fällt das Gelände dann wieder ab, ist wiederum die Technik vom Untergrund abhängig. Bei weichem Schnee kannst du mit leicht gebeugten Knien und mit leichter Rücklage den Hang hinabgleiten. Bei einem harten und eisigen Schnee gehst du in kurzen Schritten mit der Kralle voran und behältst dein Gewicht zentral über dem Schuh.

Wenn du auch die folgenden Punkte beachtest, bist du bestens für deine erste Schneeschuhwanderung vorbereitet. Die erste Schneeschuhwanderung kannst du aber auch in einer geführten Tour unternehmen oder dich sogar in speziellen Kursen anleiten lassen. Dort lernst du auch, wie du am besten auf Lawinen vorbereitet bist.

Warum solltest du eine Schneeschuhtour niemals allein unternehmen?

Nicht nur die erste Schneeschuhwanderung solltest du niemals allein unternehmen, sondern mindestens zu zweit. So ist im Ernstfall jemand da, der Hilfe holen kann oder erste Hilfe leistet. Im Tiefschnee könnt ihr ausserdem zusätzlich Kraft sparen, indem ihr euch beim Spuren abwechselt.

Welche Kleidung und welche Ausrüstung benötigst du?

Für die Kleidung ist zunächst die altbewährte Zwiebeltechnik wichtig. So kannst du bei Bedarf Kleidungsstücke ablegen oder wieder anziehen. Atmungsaktive Funktionskleidung ist dabei die beste Wahl, du solltest diese Investition nicht scheuen.

Neben einer wetterfesten Kleidung, zu der wasserfeste Bergschuhe oder Winterwanderschuhe, eine Jacke und eine Überhose als Wetterschutz, Mütze und 2x Handschuhe sowie ggf. Ersatzwäsche oder auch Gamaschen gehören, benötigst du noch folgende Ausrüstung:

  • Schneeschuhe (die kannst du übrigens auch ausleihen)
  • Ski-/Teleskop-Stöcke mit verstellbaren Wintertellern
  • Rucksack 20-30 Liter
  • Sonnenschutz (Sonnenbrille und ggf. Skibrille, Kopfbedeckung, Creme, Lippenstift)
  • Taschenlampe, am besten als Stirnlampe
  • Kompass, Höhenmesser, ggf. GPS inkl. Ersatzakku
  • Erste-Hilfe-Set, ggf. inkl. eigener wichtiger Medikamente)
  • Karte, Führer
  • LVS-Ausrüstung (Lawinenverschütteten-Suchgerät inkl. Ersatzbatterien, Lawinensonde, Schaufel)
  • Mobiltelefon mit eingespeicherter Notfallnummer (112)
  • Biwaksack (für jeweils zwei Personen)
  • Bei geplanter Übernachtung auf einer der Hütten: Hüttenschlafsack, kleines Handtuch, Waschzeug)
  • Reparaturset für Schneeschuhe und Stöcke
  • Verpflegung
  • Unzerbrechliche Trink-/Thermosflasche (gefüllt)
  • Taschenmesser

Wie findest du die richtigen Schneeschuhe für dich?

Für deine ersten Touren lohnt es sich durchaus, erst einmal Schneeschuhe auszuleihen. Zum Beispiel bekommst du sehr gute Schneeschue von Intersport Graf.

Möchtest du bei diesem Sport bleiben, solltest du sorgfältig die richtigen Schneeschuhe für dich aussuchen. Schneeschuhe gibt es in Kunststoff und aus Aluminium. Wichtig für alpines Schneeschuhwandern sind:

  • Zacken an der Bodenseite des Rahmens
  • Greifende Krallen an der Unterseite der Bindung (auf Höhe des Fussballens)
  • Steighilfe für steiles Gelände mit verharschtem Schnee

Welche Grösse des Schneeschuhes ist die richtige für dich?

Die Schneeschuhgrösse hat überhaupt nichts mit deiner normalen Schuhgrösse zu tun. Die Bindung ist flexibel einstellbar. Die richtige Grösse des Schneeschuhs richtet sich nach deinem Gewicht (inklusive Ausrüstung). Als grobe Faustregel gilt dabei: Grösse 22 für maximal 70 Kilogramm, Grösse 25 für mehr als 70 und weniger als 100 Kilogramm und Grösse 30 für mehr als 100 Kilogramm. Inzwischen gibt es auch spezielle Frauen- und Männermodelle.

Welche Wetterverhältnisse sind günstig/ungünstig?

Die Wetterverhältnisse sind aus verschiedenen Gründen wichtig. Für eine Schneeschuhwanderung solltest du auf mögliche Wettereinbrüche vorbereitet sein. Starke Winde und starke Schneefälle können dich behindern und eine Schneeschuhtour sehr mühsam werden lassen. Das aktuelle Wetter rund um Grindelwald findest du hier.

Besonders wichtig ist das Lawinenrisiko. Sobald du dich abseits gesicherter Routen bewegst, musst du die Lawinensituation einschätzen und beobachten. Eine der wichtigsten Grundlagen hierfür ist der aktuelle Lawinenlagebericht für das von dir bewanderte Gebiet. Der Lawinenlagebericht des WSL-Institutes für Schnee- und Lawinenforschung  SLF berät dich auch telefonisch unter: 0041-81-417-0111 und per email über lwp@slf.ch (Lawinenwarndienst).

Der Lawinenlagebericht ist im gesamten Alpenraum ähnlich aufgebaut, so dass sich auch erfahrene Schneeschuhgeher aus anderen Alpenregionen schnell auskennen. Die EAWS (European Avalanche Warnings Services) ist eine Dachorganisation aller Alpenregionen und sorgt für gemeinsame Standards bei der Gefahrenskala und den Lawinenproblemen. Eine ausführliche Erläuterung zum Aufbau eines Lawinenlageberichtes kannst du hier nachlesen.

Als Schneeschuhwanderer ist es möglicherweise lebensrettend, dass du das LVS-Equipment in einem Notfall korrekt handhaben kannst. In einem speziellen Lawinenkurs lässt du dir die entsprechenden Kenntnisse von einem Experten beibringen. Diese Kurse dauern in der Regel drei Tage und enthalten theoretische, aber vor allem praktische Inhalte. Du lernst vor Ort in den Bergen, wie du einen Lawinenlagebericht interpretierst und Gefahrenzeichen in der Natur erkennst. Der Schneedeckenaufbau, eine Geländebeurteilung, Wetterkunde, die Routenwahl und Tourenplanung, Anlage einer Spur, Risikoabschätzung und die richtige Taktik bei Aufstieg und Abfahrt sind wichtige Grundlagen. Besonders wichtig sind die ebenfalls enthaltenen Schulungen im Umgang mit Schaufel, Lawinensonde und dem Lawinenverschütteten-Suchgerät.