Böötle

Böötle ist ein Begriff aus dem Schweizerdeutsch. Er bedeutet so viel wie „sich mit einem Schlauchboot, einer Luftmatratze oder mit einem Schwimmreifen im Wasser treiben zu  lassen“.

Das Böötle als Freizeitvergnügen wird in der Schweiz immer beliebter. Inzwischen gibt es genügend Anbieter des Freizeitvergnügens, die dir das Boot gegen Gebühr schwimmbereit zur Verfügung stellen und am Abstellort wieder abholen. Ob an der Aare, an der Limmat oder am Rhein, Böötle geht an jedem Fluss.

Tatsächlich ist das Böötle inzwischen in der Schweiz zu einem beliebten Volkssport geworden. Und: auch weil es gemeinsam mit Freunden betrieben wird, ist es nicht ganz ungefährlich. Beim Böötle gibt es immer wieder Unfälle und nicht selten ist Unachtsamkeit, Alkohol und/oder Leichtsinn im Spiel.

Welche gesetzlichen Sicherheitsvorschriften musst du beim Böötle beachten?

Seit 01.01.2020 gibt es verschärfte Sicherheitsvorschriften. Beim Böötle muss seither entweder ein Rettungsring pro Boot vorhanden sein oder pro Person eine Rettungsweste mit Kragen.

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat Regeln für die sichere Flussfahrt im Gummiboot herausgegeben:

  • Schwimmweste auf Flüssen tragen
  • Mitführen eines Rettungsmittels gemäss Binnenschifffahrtsverordnung auf Schlauchbooten, Paddelbooten, Ruderbooten
  • Boote kürzer 4 Meter Länge müssen mit Name und Adresse beschriftet sein, am besten auch mit Tel.-Nr. Es muss gut sichtbar sein und ist möglicherweise lebensrettend. Dazu gehören z.B. Strandboote, Gummiboote, Standup-Bretter, Paddelboote, Rennruderboote oder Surfbretter.
  • Nur fahrtüchtige Personen dürfen ein Boot steuern (kein Alkohol, Drogen etc.)
  • Kursschiffe haben immer vortritt (ausreichend Abstand halten)

Kontrollen werden von den zuständigen Kantonen und ihren Polizeieinheiten durchgeführt. Seit 2020 werden von ihnen auch Bussen ausgesprochen. Beispielsweise kosten die Nichteinhaltung der Beschriftung 40 CHF und das Fehlen eines Rettungsmittels 50 CHF. Schwimmhilfen gelten übrigens nicht als Rettungsmittel.

Zwar wurde die Promillegrenze für Schiffe unter 2,5 Metern und nicht motorisierte Gummiboote unter vier Metern aufgehoben, aber wer das Boot steuert, darf keinen Alkohol trinken, da er sonst nicht fahrtüchtig ist.

Böötle
Gummiboote by KP Bern

 

Welche zusätzlichen Tipps zum Böötle gibt die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu)?

  • vor Kälte schützen: nicht zu lange im kalten Wasser bleiben, dies könnte Muskelkrämpfe hervorbringen
  • vor Sonne schützen: Kopfbedeckung und Sonnencreme
  • keine Boote zusammenbinden, da du sonst manövrierunfähig wirst
  • keine Menschen am Boot festbinden: bleibt das Boot hängen, werden sie unter Wasser gezogen
  • Vor der Fahrt abklären, wo man gut ein- und aussteigen kann

 

Welche 6 Regeln zum Böötle haben die Rettungsschwimmer der SLRG?

  1. Rettungsweste anziehen
  2. Höchstlast des Bootes einhalten (ist auf jedem Boot angegeben)
  3. Boote nicht zusammenbinden
  4. unbekannte Flussabschnitte vor der Fahrt erkunden
  5. nur gute und geübte Schwimmer in freie Gewässer (Flüsse, Weiher und Seen)
  6. je kälter das Wasser, desto kürzer der Aufenthalt darin

 

Wo befinden sich besondere Gefahrenstellen?

Wehre mit ihren Staustufen und Wasserwalzen sind eine grosse und oft unterschätzte Gefahrenquelle. Wichtig ist: Vor jedem Flusskraftwerk musst du auswässern, das Schlauchboot umtragen und wieder wässern/einsteigen.

Auch Brücken, Kursschiffe, Wiffe (Schifffahrtszeichen auf Pfählen im Wasser) und grössere Felsblöcke können dir zur Gefahr werden. Oft entstehen dort auch Wasserwirbel, die gern unterschätzt werden.

Manchmal wird auf Schildern mit „Vorsicht Schwallwasser“ gewarnt. Unterhalb von Wasserkraftwerken kann es zu plötzlich auftretenden Hochwassern kommen. Diese Warnschilder solltest du sehr ernst nehmen und bei rasch ansteigendem Wasser diese Stellen so schnell wie möglich verlassen.

In den Jahren von 2011 bis 2020 starben durchschnittlich 45 Menschen pro Jahr in Schweizer Gewässern.

Da prinzipiell alle Flüsse und Flussteile in der Schweiz für ein Böötle geeignet sind, hier eine Aufstellung besonderer Gefahrenstellen in Aare, Limmat, Reuss, Rhein und Rhone:

 

  • Aare: 20 Staustufen/Wehranlagen vor den Kraftwerken Ruppoldingen, Gösgen, Aarau, Rüchlig, Rupperswil-Auenstein, Wildegg-Brugg, Beznau, Klingnau, Aarberg, Bannwil, Felsenau, Flumenthal, Hagneck, Mühleberg, Niederried/Radelfingen, Wynau, Brügg, Interlaken, Kallnach und Schwarzhäusern; Gefahrenstellen sind auch die Aarewaage „Woog“ Aarburg und die Aareschlucht, Spornverbauungen mit Widerwasser bei Kehrsatz-Muri sowie die Uttigen-Welle, Nydeggbrücke.

 

  • Limmat: 10 Wehranlagen/Staustufen vor den Flusskraftwerken Stroppel, Höngg, Turgi, Schiffmühle, Kappelerhof, Oederlin, Aue, Wettingen, Dietikon und Letten. Insbesondere die Wehranlage Höngg ist immer wieder Schauplatz schwerer Unfälle.

 

  • Reuss: 8 Wehre vor den Kraftwerken Bremgarten-Zufikon, Bremgarten-Bruggmühle,

 

  • Windisch, Amsteg, Wassen, Mühlenplatz, Perlen und Rathausen; Gefahrenstellen Gnadenthal und St.-Anna-Loch. Das Wehr beim Reussbädli kurz vor der alten Spinnerei Kunz in Windisch ist besonders betroffen.
  • Rhein: 11 Staustufen vor den 12 Flusskraftwerken Reckingen, Albbruck-Dogern, Laufenburg, Säckingen, Ryburg-Schwörstadt, Rheinfelden, Augst-Wyhlen (zwei), Rheinau, Schaffhausen, Eglisau-Glattfelden, Birsfelden und Kembs; Gefahrenstelle Koblenzer Laufen. Schaffhausen wird von Stein her gern angefahren.
  • Rhone: 4 Staustufen vor den Wasserkraftwerken Chancy-Pougny, Gletsch-Oberwald, Verbois, Massaboden

 

Die Gesamtheit aller gefährlichen Fluss-Stellen im Aargau sind in dieser Übersicht und auf dieser Karte in Google dargestellt.

Welches Boot solltest du auswählen?

Das Boot sollte mindestens drei Luftkammern haben. Nach den Regeln der Binnenschifffahrtsverordnung wird unterschieden zwischen Strandbooten und Schlauchbooten. Strandboote besitzen nur eine Kammer, Schlauchboote mehrere.

Eine Rundumleine ums Boot mit vier Teilen als Haltegriffe und ein Halteseil am Bug sind ebenfalls wie ein Sitzkissen von Vorteil. Ein Boot für 3 Personen wiegt 11 kg und kostet etwa 100 CHF.

Luftmatratzen und aufblasbare Tiere gelten als Strandboote selbst dann, wenn sie mehrere Kammern besitzen. Strandboote sind nicht zur Fortbewegung gedacht, sondern lediglich zum Baden in Strandnähe. Strandboote dürfen daher nicht auf Flüssen und Kanälen zur Fortbewegung eingesetzt werden.

 

Welche Wassertemperatur ist richtig?

Ab einer Wassertemperatur um die 16 Grad Celsius kannst du ohne Neoprenanzug ins Gummiboot steigen. Du musst immer damit rechnen, ein unfreiwilliges Bad zu nehmen. Die Temperatur in der Aare findest du hier für Bern und für Thun.

Eine generelle Übersicht der Wassertemperatur über sämtliche Schweizer Flüsse sowie Seen findest Du hier.

 

Zu den sicherheitsrelevanten Dingen gehören:

  • Rettungsweste mit Kragen, Trockensack, Paddel und Luftpumpe (wird bei Bootsmiete und geführten Touren zur Verfügung gestellt)
  • Sonnencreme, Kopfbedeckung, ausreichend Wasser zum Trinken, Sonnenbrille

Die Paddel sollten stark und teilbar sein und aus Aluminiumrohren mit Metallfeder-Verschlusssystem bestehen (Kosten: ca. 70 CHF). Bei den Pumpen empfehlen sich Fusspumpen (ab 10 CHF).

Nicht sicherheitsrelevant, aber wichtig:

  • Badekleidung, grosses Badetuch
  • Abfallsack
  • Neoprenanzug bei kühleren Wassertemperaturen (kann ausgeliehen werden)
  • Pullover, wenn es in die Abendstunden geht
  • bequeme Flipflops
  • Feuerzeug und Anzündwürfel fürs BBQ
  • Emergency-Kit für Mensch & Gummiboot: Sackmesser, Isolierklebband, Pflaster, Après Sun Lotion
  • wasserfeste Kamera, wasserfeste Hülle für Smartphone u.ä.
  • Kühlbox für Getränke und Verpflegung
  • ein Seil, um das Boot in Pausen festzubinden

Mit einem zusammenklappbaren Bootswagen kannst du Kraftwerke und Wehre kraftsparend passieren.

Aareböötle Bern by TN

Aare

Die Strecke Thun-Bern ist wohl der beliebteste Böötle-Abschnitt, dazu gibt es die Strecken Bern Schwellenmätteli nach Felsenau / Wohlensee und Wohlensee nach Aarberg.

Vom Bielersee aus kannst du zwischen Nidau und Full/Reuenthal auf acht weiteren Etappen gut mit dem Schlauchboot fahren. Ab Wangen befinden sich einige Wehre vor Kraftwerken auf der Strecke, die du unbedingt beachten musst.

Der Kallnach- und Hagneckkanal ist ebenfalls gut für ein Böötle geeignet.

Glatt

Zwischen Rümlang und Oberhöri befindet sich eine schöne und ruhige Böötlestrecke.

Limmat

Der Abschnitt Zürich–Dietikon ist in den Sommermonaten für ein Böötle sehr beliebt.

Die zweite Strecke führt über Baden und das Kraftwerk Aue hinaus und endet spätestens vor dem Kraftwerk Kappelerhof.

Linth

Die Strecke von Weesen nach Schmerikon ist eine beliebte Strecke zwischen den zwei Seen Walensee und Obersee.

Reuss

Die Strecke Bremgarten-Gebenstorf auf der Unteren Reuss (schönster Abschnitt ist Bremgarten – Gnadental – Mellingen) und Perlen bis Sulz auf der Oberen Reuss (schönster Abschnitt ist Gisikon bis Rottenschwil), auch die Strecke von Gisikon-Root bis vor Bremgarten ist beliebt.

Rhein

Stein am Rhein nach Schaffhausen ist besonders beliebt, dazu Neuhausen (hinter Schaffhausen) über Rheinau und Rüdlingen bis Eglisau.

Rheinthal

Der Binnenkanal ist für ein Böötle zwischen Montlingen und Au sehr gut geeignet, es kann sogar bis Sankt Margrethen ausgedehnt werden.

Rhone

Innerhalb von Genf zwischen Pont Sous-Terre und Le Lignon

Saane/Aare

Gleich zwei Flüsse benutzen Böötler auf der Strecke zwischen Gümmenen und Aarberg.

Ticino

Die 10 km lange Strecke von Cresciano bis Bellinzona

 

 

Der Gummibootführer Schweiz mit 22 Flusskarten und Erreichbarkeit über den Öffentlichen Verkehr ist sehr umfangreich und übersichtlich gestaltet. Die Autoren haben die Touren selbst bereist und weisen auf die Gefahren und Tücken jeder Tour genau hin.

Flusskarten der SLRG mit Angaben zum Ein-und Aussteigen mit dem Gummiboot:

Checklisten der SLRG zum Ausdrucken