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Gleitschirmfliegen

Gleitschirmfliegen in der Schweiz gehört zu den beliebtesten Outdoor-Aktivitäten von Touristen. Dies erstaunt nicht, gibt es doch unglaubliche Landschaften sowie Bergkulissen aus der Vogelperspektive zu bestaunen.

Die Hotspots der Schweiz für das Gleitschirmfliegen ist Interlaken, die Zentralschweiz sowie das Engadin. Aber auch an anderen Orten gibt es tolle Tandemflüge.

Für wen ist Gleitschirmfliegen geeignet?

Als Passagier eines Tandemflugs benötigst du keine Vorkenntnisse. Du wirst vom Piloten vor dem Gleitschirmflug in der Startvorbereitung aufgeklärt, was du bei Start, Landung und auch während des Fluges beachten musst. Beim Alter gibt es ab 16 Jahren keine Einschränkungen, das Gewicht sollte zwischen dreissig und hundert Kilogramm liegen.

Eine besondere Fitness wird nicht benötigt, aber bei schweren Krankheiten solltest du dich mit deinem Arzt beraten und dies auch bei der Buchung angeben. Festes Schuhwerk, lange Hosen und eine Windjacke sind Pflicht. Für Kinder ab etwa sieben Jahren ist ein Tandemflug in den meisten Fällen zwar möglich, aber es muss eine Genehmigung der Sorgeberechtigten vorliegen.

Wer in der Schweiz diesen Sport als Pilot ausüben möchte, muss vorher für Einzelplatzgleitschirme zwei Prüfungen bestehen. Eine Prüfung betrifft die in fünf Abschnitte gegliederte theoretische Ausbildung. Die praktische Prüfung wird in maximal drei Gleitschirmflügen absolviert. Damit wird das Beherrschen des Fluggeräts geprüft. Dies erfolgt in drei Abschnitten beim Start, während des Fluges und bei der Landung innerhalb eines vorgegebenen dreissig Meter grossen Kreises.

Um für die Ausbildung angerechnet werden zu können, müssen Start- und Landeplatz mindestens eine Höhendifferenz von 300 Metern aufweisen. Für das Führen der Tandemschirme (auch Biplace genannt) benötigst du eine weitere, strenge Prüfung.

Die Lizenz heisst im Deutschen Hängegleiter Ausweis (Licence de vol libre, Licenza per aliante da pendio, Hang gliding licence) und wird von der Schweizerischen Eidgenossenschaft ausgestellt. Wer diese Prüfungen bestanden hat, darf als Gleitschirmpilot fliegen.

Um mit dem Gleitschirm starten zu dürfen, ist in der Schweiz lediglich die Genehmigung des Grundstückeigentümers erforderlich. Die Start- und Landeplätze werden meist von Flugschulen, örtlichen Vereinen oder sogar Bergbahnbetreibern betreut. Eine abgeschlossene Haftpflichtversicherung ist allerdings Bedingung.

Als ausländischer Gastpilot musst du dir von deiner Versicherung die Bestätigung einholen, dass deine Versicherung auch im Schweizer Luftraum deine Flüge versichert. Die Garantien und Deckungsbeiträge für Schäden Dritter müssen ausreichend abgedeckt sein. 30-Tage-Versicherungen kannst du als Pilot auch beim Schweizerischen Hängegleiterverband abschliessen.

 

Wie funktioniert Gleitschirmfliegen?

Der Pilot sitzt in einem Gurt sicher unter dem Gleitschirm, der über Leinen mit dem Gurt verbunden ist. Er steuert den Flug mittels Steuerleinen. Beim Tandemflug sitzt der Passagier in einem zweiten fest verbundenen Gurt direkt vor dem Piloten. Die gesamte Ausrüstung passt in einen Rucksack und wiegt zwischen fünfzehn und zwanzig Kilogramm.

In den Bergen wird der Flug meist mit einem Vorwärtsstart durchgeführt. Der Gleitschirm ist hinter dir und du läufst langsam los, bis sich der Gleitschirm mit Luft gefüllt hat und über dir steht. Ist nichts verheddert, geht’s noch in einigen Schritten beschleunigt bergab und schon bei 20 km/h hebt dich der Gleitschirm in die Luft.

 

Wie gefährlich ist Gleitschirmfliegen?

Beim Gleitschirmfliegen werden Professionalität und Sicherheit garantiert. Alle Piloten sind ausnahmslos durch den schweizerischen Hängegleiterverband SHV geprüft und besitzen ein Brevet, den Hängegleiter Ausweis. Piloten, die Tandemflüge durchführen dürfen, durchlaufen eine zusätzliche strenge Prüfung.

Für die Gleitschirme gibt es ebenfalls sehr strenge Vorschriften. Sämtliche Teile des Gleitschirms müssen in der Lage sein, mindestens eine achtfache Belastung auszuhalten.

Heute ist Gleitschirmfliegen die sicherste Flugsportart überhaupt. Zwischen 2000-2017 starben durchschnittlich 8 Personen beim Gleitschirmfliegen gemäss BFU. Bei 16’000 registrierten und lizenzierten Gleitschirmpiloten ein vergleichbaren tiefen Wert. Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass jeder Pilot mehrmals pro Jahr fliegt.

Gleitschirmfliegen gibt es in seinen Anfängen schon seit mehr als siebzig Jahren.Der NASA-Ingenieur Francis Melvin Rogallo erhielt 1948 das erste Patent eines Vorgänger-Gleitschirms. Etwas später entwickelte und testete David Barish ebenfalls ganz ähnliche Schirme.

In der Schweiz entwickelten die hier lebenden deutschen Brüder Strasilla gemeinsam mit der Schweizerin Andrea Kuhn 1973 den ersten Gleitschirm weltweit aus Schleppschirmen. Sie meldeten ihr eigenes Gleitschirm-Patent als Skywing an. Ihr Schirm verfügte schon damals über ein ausgeklügeltes System von Fang- und Steuerungsleinen. Dieter und Udo Strasilla flogen damals gemeinsam als erste Menschen vom 3.466 Meter hohen Jungfraujoch zum etwa sechs Kilometer entfernten Lauterbrunnen und überwanden auf diese Weise 2.676 Höhenmeter. Das war die Geburtsstunde des Paragliding in der Schweiz.

Noch heute kann der erste Gleitschirm der Welt, ein 11-Zeller aus Spinnakerstoff besichtigt werden. Er befindet sich in der Flugwerft Schleissheim bei München, die zum Deutschen Museum gehört. Die Berner Alpen südlich von Interlaken sind durch ihr Dreigestirn aus Eiger, Mönch und Jungfrau bekannt und bieten mit Gipfeln über 4.000 Höhenmetern ideale Bedingungen für das Gleitschirmfliegen.