Das Wasserschloss Europas – die Schweiz und ihre Gewässer

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Palpuognasee

Den Spitznamen “Wasserschloss Europas” trägt die Schweiz nicht ohne Grund. Bereits ein kurzer Blick auf das Satellitenbild lässt erahnen, dass hierzulande einiges an Wasser liegt, fliesst, zirkuliert, schmilzt, gefriert und plätschert.

Insgesamt befinden sich in der Schweiz über 1’500 Seen, was bedeutet, dass Du mathematisch gesehen nie mehr als 16 km von einem See entfernt bist. Egal, wo in der Schweiz Du Dich gerade befindest. Verbunden ist ein grosser Teil dieser Seen mit Flüssen, Bächen und Kanälen, die aneinandergereiht eine Gesamtlänge von ca. 61’000 km erreichen. 

Dies entspricht einer Länge von beinahe 1.5 mal dem Erdumfang. Aber es geht noch weiter.

Die Schweiz beherbergt ungefähr 6% der europäischen Süsswasserreserven. Dies mag auf den ersten Blick eine bescheidene Zahl sein. Wenn man aber bedenkt, dass die Schweiz gerade einmal 0.4% der europäischen Landmasse ausmacht, erhalten diese 6% plötzlich eine ganz neue Bedeutung. 

Die Seen in der Schweiz
Die Schweiz ist ein Land mit einer beachtlichen Menge an Süsswasser-Seen (Foto: Sentiers de l’eau)

Natürlich kämpft auch die Schweiz, insbesondere während heissen und trockenen Sommerperioden, immer wieder mit Wasserknappheit. Und durch die Gletscherschmelze sind wichtige Wasserspeicher einem kontinuierlichen Schrumpfprozess ausgesetzt. Aber generell gesagt befindet sich die Schweiz wassertechnisch gesehen in einer sehr komfortablen Lage. 

Abgesehen von der Trinkwasserversorgung bieten diese zahlreichen Wasservorkommnisse auch eine hohe Aufenthaltsqualität für Menschen aus aller Welt. In diesem Artikel lege ich deshalb den Fokus eher auf den touristischen Aspekt unserer Seen, Flüsse und Wasserfälle und weniger auf die Kanäle, Wasserkraftwerke und unterirdischen Bäche.

Ich hoffe, Du bist damit einverstanden. 😉 

1. Seen in der Schweiz

Wie bereits erwähnt, musst Du Dich in der Schweiz nie lange mit der Suche nach einem See beschäftigen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass das Gewässer dort hinten in der Ferne eine Fata Morgana ist und Du während Deiner anstrengenden Wanderung unter Halluzinationen leidest, ist minim.

Natürlich kann ich hier nicht alle 1’500 Seen aufzählen, aber ich gehe kurz auf zehn wichtige Kandidaten ein, mit denen Du spätestens nach Deiner Ankunft in der Schweiz vertraut wirst. 

1.1 Genfersee

Der Genfersee, auf Französich “Lac Léman”, ist der grösste Schweizer See. Zugegebenermassen ist das nur die halbe Wahrheit, da er sich zu 60% auf Schweizer und zu 40% auf französischer Seite befindet. Die Gesamtfläche des Sees beträgt 580 km², was ihn zum grössten und wasserreichsten Binnensee Europas macht. 

Das Klima in der Genferseeregion ist sehr mild und schafft ideale Bedingungen für den Weinbau. Nördlich des Sees reiht sich daher ein Rebberg an den Anderen, wobei die Terrassen in Lavaux zum UNESCO Weltkulturerbe zählen. 

Mit der Schifffahrtsgesellschaft CGN lassen sich zahlreiche Städtchen und Ortschaften entlang des Ufers ansteuern. Angefangen beim Jet d’Eau in Genf, einem 140 m hohen Springbrunnen im See, und aufgehört beim Château de Chillon, einer mittelalterlichen Burg bei Montreux. Dieselben Ortschaften sind übrigens auch mit Fahrrad- und Wanderwegen verbunden, was den Genfersee zu einem perfekten Reiseziel macht.

Genfersee
Der Genfersee ist Europas wasserreichster Binnensee und liegt zu 60% auf Schweizer Boden.

1.2 Bodensee

Der Bodensee hat eine Fläche von 473 km² und trägt auch den Namen “schwäbisches Meer”. Flächenmässig ist er der zweitgrösste See der Schweiz, wobei auch das nicht ganz stimmt. Wie der Genfersee ragt er über zwei Landesgrenzen hinaus. Wir teilen den Bodensee mit unseren Nachbarn Österreich und Deutschland, wobei uns ungefähr ein Drittel des Sees “gehört”. 

Mit einer Vielzahl an Fahrrad- und Wanderwegen, Uferpromenaden und Strandbädern ist der Bodensee gut zugänglich und daher ein beliebtes Ziel für Faulenzer sowie Sportler. 

Zudem verkehren diverse Schifffahrtsgesellschaften auf dem Bodensee – einerseits innerhalb der Schweiz, aber auch nach Deutschland und Österreich. Die schnellste und direkteste Verbindung quer über den See ist mit der Fähre zwischen Romanshorn und Friedrichshafen.

Insgesamt befinden sich 16 Inseln im Bodensee, wobei das Deutsche Städtchen Lindau, die Blumeninsel Mainau, und die Insel Reichenau zu den Bekanntesten gehören.

Bodensee
Den Bodensee, auch „schwäbisches Meer“ genannt, teilt sich die Schweiz mit den beiden Nachbarländern Österreich und Deutschland.

1.3 Neuenburgersee

Kommen wir endlich zum grössten See, der komplett auf Schweizer Boden liegt. Der Neuenburgersee hat eine Fläche von 218 km² und liegt, wie der Genfersee, in der französischsprachigen Schweiz. Zusammen mit seinen Nachbarn, dem Bielersee und dem Murtensee, bildet der Neuenburgersee die Drei-Seen-Region. 

Ein weiteres Ausflugsparadies für jedermann. Mit dem Fahrrad, zu Fuss, mit dem Schiff oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sind die Städte Neuchâtel, Yverdon-les-Bains und Estavayer-le-Lac – aber auch diverse Ortschaften zwischendurch – bestens erreichbar.

Neuenburgersee
Der Neuenburgersee ist der grösste See, der zu 100% in der Schweiz liegt.

1.4 Vierwaldstättersee

Kaum ein See in der Schweiz hat so eine eigenartige Form wie der Vierwaldstättersee. Seine Fläche entspricht 133 km², was gerade einmal 23% des Genfersees ausmacht. Sein Umfang beträgt jedoch 75% des Genfersees, was definitiv für einen verwinkelten See spricht. Wenn das jetzt zu viel Mathematik für Dich war und Du Dir nicht vorstellen kannst, wovon ich spreche, vergleiche einfach die beiden Seen unten auf der Karte.

Vierwaldstättersee
Im Vergleich zu seiner Fläche hat der Vierwaldstättersee ein auffallend langes Ufer.

Touristisch gesehen ist der Vierwaldstättersee einer der ganz grossen Spieler. Einerseits liegt die Stadt Luzern, welche bei Besuchern extrem beliebt ist, direkt am See und andererseits findest Du den Pilatus, die Rigi sowie das Stanserhorn in unmittelbarer Nähe des Vierwaldstättersees. 

Nicht ausser Acht zu lassen sind die zahlreichen Raddampfer und Passagierschiffe, zu welchen mitunter ein Abschnitt der Gotthard Panorama Express Route gehört. Der Vierwaldstättersee ist ein ideales Gebiet, um Wanderungen, Standseilbahnfahrten, kulturelle Besichtigungen und Schiffsfahrten in einer Region zu kombinieren.

Werbespot beendet. 🙂 

Vierwaldstättersee
Der Vierwaldstättersee ist mit seiner eindrücklichen Umgebung mit einigen bekannten Bergen von grosser touristischer Bedeutung.

Übrigens, falls Du den Tellpass noch nicht kennst – ein Reisepass, der sich mit dieser wunderschönen Region befasst – empfehle ich Dir diesen Artikel über die Schweizer Touristenpässe.

1.5 Zürichsee

Wo der Zürichsee liegt, kannst Du Dir vermutlich denken. Er ist sehr einfach zu lokalisieren und wenn Du einen Ausflug nach Zürich machst, wird Dein Weg sicher früher oder später an das sehr dicht bebaute Ufer dieses Sees führen.

Der mit 88 km² fünftgrösste See der Schweiz hat eine längliche, schmale Form und erinnert etwas an eine Banane. Unterteilt ist der Zürichsee in den Obersee und den Untersee. Diese beiden Abschnitte sind durch den Damm zwischen Rapperswil und Pfäffikon getrennt, wobei es für Schiffe zwei Durchlässe gibt.

Auf dem Zürichsee befinden sich vier Inseln und Passagierschiffe verkehren ganzjährig zwischen Schmerikon und Zürich. Insgesamt werden über 30 Anlegestellen angelaufen, mitunter auch die Insel Ufnau.

Rapperswil
Zwischen Rapperswil und Zürich verkehren täglich mehrere Passagierschiffe.

Da die Agglomeration Zürich der grösste Ballungsraum der Schweiz ist, findet man am Zürichsee nicht unbedingt die Ruhe und Stille, die man sich manchmal erwünscht. Zugegeben, die meisten Seen in der Schweiz wirken regelrecht wie Magnete und sind vor allem an schönen Wochenenden und im Sommer sehr gut besucht. Aber meiner persönlichen Empfindung nach ist es am Zürichsee etwas extremer als andernorts. 

Trotzdem lädt das Ufer, wo öffentlich zugänglich, zum Verweilen ein und ein gemütliches Picknick am Bellevue in Zürich ist definitiv etwas, das Du Dir nicht entgehen lassen solltest.

Zürichsee
Das Ufer des Zürichsee ist an den meisten Stellen sehr dicht besiedelt.

1.6 Thunersee

Der Thunersee ist einer derjenigen Seen, die ihre fotogenen Stellen zu präsentieren wissen. Seinen Charme hat er zu einem Grossteil seiner vorteilhaften Lage – umgeben von Bergen – zu verdanken. Der knapp 50 km² grosse See ist beidseitig zwischen majestätischen Bergen, grünen Alpwiesen und idyllischen Dörfern eingeklemmt, mit Thun auf der einen und Interlaken auf der anderen Seite.

Übrigens ist der Thunersee einer der beiden Gründe, weshalb Interlaken “Interlaken”, also „zwischen den Seen”, heisst. Den zweiten Grund lernst du auch gleich kennen.

Wenn ich mich für eine Schifffahrt auf einem Schweizer See entscheiden müsste, würde es der Thunersee zweifelsohne in meine Top 3 schaffen. Die Fahrt zwischen Thun und Interlaken dauert ungefähr zwei Stunden und ist auf jeden Fall eine Reise wert. Diverse Ortschaften unterwegs laden zum Verweilen ein und auch wenn Du die ganze Fahrt an einem Stück zurücklegst, wird Dir vor lauter Staunen und Fotografieren sicher nicht langweilig.

Das südliche Ufer des Thunersees ist einfacher zugänglich als das nördliche. Die Wander- und Fahrradwege verlaufen am südlichen Ufer näher am See, während das nördliche Ufer mit der Seestrasse verbaut ist. 

Abgesehen von den gängigen Wassersportarten wie Wasserski, Wakeboard oder Fahrten mit dem Jet Boat, ist Segeln auf dem Thunersee sehr beliebt. An einem schönen Sommertag kann man häufig unzählige Segelschüler in ihren Booten umherfahren sehen, was mich jedes Mal an eine desorientierte Entenfamilie erinnert. 

Thunersee
Falls Du genügend zeit hast, kann ich Dir eine Schiffsfahrt auf dem Thunersee wärmstens empfehlen.

1.7 Brienzersee

Der Brienzersee ist der kalte, türkisfarbene Cousin des Thunersees. Er wird noch vor dem Thunersee mit dem frischen Wasser der Aare und den umliegenden Bergen gespiesen und ist daher spürbar kälter. Solltest Du Dich also für einen Schwumm im saubersten See der Schweiz entscheiden, ist das Gänsehautpotenzial in diesem 30 km² grossen Gewässer erheblich. 

Auf gut Deutsch, er ist auch im Sommer ziemlich kalt. 

Zudem ist er der zweite Grund für die Namensgebung von Interlaken, der insbesondere bei internationalen Gästen äusserst beliebten Stadt zwischen den beiden Seen.

Auch auf dem Brienzersee kann man auf einer Schifffahrt verweilen, die zwischen Interlaken und Brienz ungefähr 1.25 Stunden dauert. Ein Highlight unterwegs ist ein Zwischenstopp an der Anlegestelle des Grandhotels Giessbach. Sollte es Dir die Zeit erlauben, einen kurzen Abstecher zum Hotel zu machen, kann ich das sehr empfehlen. 

Die Aussicht von der Terrasse auf den Brienzersee ist grandios, um es milde auszudrücken. 

Brienzersee
Die Aussicht von der Terrasse des Grandhotel Giessbach lässt nicht viele Wünsche übrig.

Falls Dich der Preis für die Standseilbahnfahrt von der Anlegestelle zum Hotel reut, gibt es einen Wanderweg, über den Du den Giessbach und die dahinterliegenden Giessbachfälle erreichen kannst. 

Auch an Wasseraktivitäten mangelt es hier nicht. Von Kanu über Jet Boating hin zum Ruderboot steht Dir eine weite Palette an Aktivitäten zur Verfügung.

1.8 Lago Maggiore

Zum Abschluss machen wir einen Abstecher in die italienische Schweiz. Der Lago Maggiore liegt nur zu einem Fünftel auf Schweizer Boden und ist insgesamt 212 km² gross. Obwohl er hauptsächlich auf italienischem Boden liegt, ist er ein starker Magnet für die Einwohner des Tessins, aber auch für Besucher aus der ganzen Schweiz.

Insbesondere die Ortschaften Locarno und Ascona bieten eine hohe Aufenthaltsqualität und locken die Menschen in Scharen an. Da das Tessin ein viel milderes Klima aufweist als der Rest der Schweiz, ist der Lago Maggiore schon im Frühsommer ein angenehmes Badeziel.

Ascona
Ein Ausflug nach Ascona gehört bei einem Aufenthalt im Tessin schon fast zum Pflichtprogramm.

Die Brissago Inseln – zwei stark bewaldete Naturparadiese im Lago Maggiore – können mit dem Schiff von Porto Ronco aus erreicht werden. Oder mit etwas Ausdauer und starken Beinen sogar mit dem Pedalo.

Für die Personenschifffahrt auf dem Lago Maggiore ist gemäss einem Abkommen Italien verantwortlich. Auf dem ganzen See verkehren Schiffe der Gesellschaft Navigazione del Lago Maggiore

Lago Maggiore
Der Lago Maggiore ist während den Sommerferien ein wahrer Magnet für Herr und Frau Schweizer.

Die Liste der Schweizer Seen könnte hier beliebig weitergeführt werden, was den Rahmen dieses Artikels jedoch deutlich sprengen würde. Falls Du Dich für zusätzliche Informationen zu weiteren Seen interessierst, empfehle ich Dir die Aufzählungen auf der Schweizersee Website

Ganz fertig sind wir aber noch nicht mit den Seen. Schliesslich waren das erst die leicht zugänglichen, grossen und bekannten Seen mit teilweise dicht besiedelten Ufern. Als Alpenland hat die Schweiz zusätzlich eine beachtliche Vielzahl an Bergseen zu bieten, welche wir im nächsten Schritt anschauen. 

Auch hier nicht alle über 1’000 Stück, aber eine Handvoll liegt schon drin.

2. Bergseen in der Schweiz

Ich werde gar nicht erst versuchen, die Schweizer Bergseen nach ihrer Schönheit, ihrem “den-musst-du-gesehen-haben”-Wichtigkeitsgrad oder ihrer Beliebtheit nach einzuordnen. Wenn es schon fast ein Ding der Unmöglichkeit war, die Vielfalt des öffentlichen Verkehrs in der Schweiz zu erklären, dann wäre das hier ein ganz anderes Kaliber.

Deshalb liste ich Dir im Folgenden ein paar Bergseen auf, die mir persönlich sehr gefallen und die Dir aufzeigen, was Du während Deinen Wanderungen in den Schweizer Alpen potenziell an faszinierenden und atemberaubenden Gewässern erwarten kannst.

2.1 Riffelsee

Was diesen spiegelglatten Bergsee oberhalb von Zermatt im Wallis so speziell macht, wird erst sichtbar, wenn die Wolken verschwinden und sich das dahinterliegende Matterhorn in seiner vollen Grösse in dem kleinen, unscheinbaren Gewässer reflektiert. Von der “falschen” Seite her betrachtet, wirkt der Riffelsee eher etwas verlassen und einsam. Aber im Gesamtbild mit dem vermutlich bekanntesten Berg der Schweiz in der Kulisse, bereitet er einen fesselnden Eindruck. 

Riffelsee
An einem klaren Tag zeigt sich das Matterhorn hinter dem Riffelsee von seiner besten Seite.

Ein grosser Vorteil des Riffelsees ist, dass er in unmittelbarer Nähe der Bahnstation Rotenboden der Gornergratbahn liegt. Zudem führen Wanderwege von diversen Richtungen zu diesem kleinen Bergsee. Eine einfache Wanderung, die ohne grosse Hochgebirgserfahrung angepackt werden kann, ist der Weg von der Station “Rotenboden“ zum Riffelsee und weiter zur Gornergratbahn Station “Riffelberg“.

2.2 Seealpsee

Falls Du schon einmal ein Quöllfrisch Bier getrunken hast, sollte Dir der Seealpsee bereits bekannt sein. Er hat den Auftrag als Model für dieses schweizweit beliebte Appenzeller Bier ergattert und ziert seit Jahren sein Etikett. Solltest Du heute zum ersten Mal von diesem See hören, kommt hier eine kurze Vorstellung meines “Haus-Sees”. 

Als Appenzellerin gibt es kaum einen Bergsee, den ich öfter besucht habe als den Seealpsee.

Als einer der drei Bergseen im Ostschweizer Alpstein Gebirge ist er derjenige, der am einfachsten zugänglich ist. Mit etwas Muskelkraft in den Oberschenkeln und einem einstündigen Fussmarsch schafft man die Wanderung von Wasserauen zum Seealpsee problemlos. Einen deutlichen Bekanntheitsschub hat der Seealpsee erlangt, als das nahegelegene Bergrestaurant Äscher auf Ashton Kutcher’s Instagram Profil und dem Titelblatt von National Geographic erschienen ist.

Bergrestaurant Äscher
Wenn Du gut hinschaust, siehst Du im Tal neben dem Äscher den Seealpsee.

Da der Seealpsee vom Äscher aus sichtbar ist und auf dem Weg von Wasserauen zur Ebenalp liegt, ist er insbesondere im Sommer und an sonnigen Wochenenden schlichtweg überlaufen. Um es milde auszudrücken. 

Seine Anziehung kommt aber nicht von ungefähr. Das glasklare Wasser, in dem man problemlos den Boden sehen und die Forellen bei ihrem Alltagsleben beobachten kann, ist eine Augenweide und wenn sich die umliegenden Berge auf der Wasseroberfläche spiegeln, kann man gut und gerne für eine längere Zeit das Leben um sich herum vergessen.

Seealpsee
Der Seealpsee im Alpstein hat es sogar auf das Etikett des Appenzeller Biers „Quöllfrisch“ geschafft.

Für eine Abkühlung nach dem anstrengenden Aufstieg ist der Seealpsee immer zu haben. Mein Lieblingsort für ein Foto, das übrigens auch auf der Quöllfrisch Flasche thront, ist das Ufer bei der Bruderklausenkappele in der Nähe des Restaurants Forelle.

2.3 Fälensee

Zwei Bergketten vom Seealpsee entfernt liegt der langgezogene, leicht eingeklemmte und auf den ersten Blick wie ein norwegischer Fjord wirkende Fälensee. Am einen Ende befindet sich das Bergrestaurant Bollenwees, während am anderen Ende die idyllische, einfache und authentische Fälenalp mit ihren Ziegen, Schweinen und Kühen liegt. 

Was ich am Fälensee liebe, ist seine Abgelegenheit. Da sein Besuch einiges mehr an Muskelkraft abverlangt als der Seealpsee, ist er normalerweise etwas weniger frequentiert. Zudem lädt er mit seinen steil abfallenden Ufern nicht gleich zum Baden und Verweilen ein wie sein tiefer gelegene Kollege, was die Menschenmassen auf einem tieferen Niveau hält. 

Fälensee
Der Fälensee erinnert je nach Wetterlage an einen norwegischen Fjord. Oder vielleicht doch an ein schottisches Loch?

An Fotogenität steht er dem Seealpsee jedoch in nichts nach. Je nach Wetterkonstellation erinnert der Fälensee teilweise an ein schottisches Loch und es lohnt sich, auch bei nicht strahlend blauem Himmel eine Wanderung in diese Richtung zu unternehmen.

Übernachtungsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe des Sees findest Du einerseits in der Bollenwees – mit guter Infrastruktur und einem gewissen Mass an Komfort – und andererseits in der Fälenalp. Falls Du immer schon in einem Stall über den Kühen schlafen und auf warmes Wasser sowie eine “normale“ Toilette verzichten wolltest, bist Du hier goldrichtig. 

Fälenalp
In der idyllischen Fälenalp lässt es sich im Sommer im Stall über den Kühen übernachten.

2.4 Palpuognasee

Wenn es einen Ort gibt, an dem Du keinen glasklaren Bergsee erwartest, dann ist es entlang der Albulapassstrasse. Mir ging es auf jeden Fall so, als ich mit dem Fahrrad vom Engadin über den Albula nach Bergün fuhr. Der Lai da Palpuogna, wie er auf Rätoromanisch heisst, befindet sich oberhalb von Preda im Kanton Graubünden.

Er liegt direkt neben der Passstrasse auf dem Weg von der Deutschschweiz ins Engadin und ist somit ein sehr beliebter Zwischenstopp für alle Feriengäste, die Unterwegs in die Sommerferien sind. Aber auch alle kurvensüchtigen Rad- und Motorradfahrer, die einen Ausflug über den Albulapass machen, finden hier einen idealen Ort für eine Pause.

Palpuognasee
Der Palpuognasee liegt gleich neben der Albulapassstrasse oberhalb von Bergün.

Auch mit dem Zug via Bahnhof Preda und einem anschliessenden Fussmarsch entlang der Strasse ist der Lai da Palpuogna gut erreichbar.

Leider darf man in diesem blaugrünen Naturparadies nicht baden, da er vom Elektrizitätswerk Bergün als Stausee benutzt wird. Für ein gemütliches Picknick, ein paar bezaubernde Fotos und einen kurzen Spaziergang durch den Lärchenwald ist er jedoch bestens geeignet.

2.5 Caumasee

Bleiben wir für einen Moment im Kanton Graubünden und seinen kleinen, türkisblauen Bergseen. Der Caumasee liegt nicht weit entfernt von der Rheinschlucht, die auch unter dem Namen „Swiss Grand Canyon“ bekannt ist. Der See ist umgeben von einem Tannenwald und hat sogar eine kleine, felsige Insel in der Mitte. Zu Fuss kannst Du ihn in ungefähr einer Stunde umrunden.

Der Caumasee ist ein äusserst beliebter Badesee, der in den Sommermonaten nicht nur wegen seines karibikähnlichen Wassers zahlreiche Badegäste anlockt. Obwohl er knapp 1’000 Meter über dem Meeresspiegel liegt, ist das Wasser im Sommer zwischen 19 und 24 Grad warm, was für einen Bergsee auf dieser Höhe ziemlich warm ist.

Caumasee
Der Caumasee liegt im Kanton Graubünden und ist umgeben von einem Lärchenwald.

Zwischen Juni und September ist das Strandbad geöffnet, wofür ein Eintritt von 12.- CHF verlangt wird. Für diesen eher hohen Preis kannst Du die Umkleideräume, Duschen, Toiletten, das Floss im See und den Kinderspielplatz benutzen.

Der Caumasee ist in dieser Region jedoch nicht alleine mit seiner Schönheit, Anziehungskraft und klaren Wasser. 

2.6 Crestasee

Nicht weit vom Caumasee entfernt liegt der halb so grosse Crestasee. Auch dieser Kandidat ist ein extrem populäres Ausflugsziel für Badegäste, Biker, Wanderer, Picknicker und Fotografen. 

Im Sommer ist der Crestasee über das Naturbad zugängig, welches einen Eintritt von 7.- CHF erhebt. Inbegriffen in diesem Preis ist die Benutzung der Duschen, Umkleidekabinen, Toiletten und diverse Verpflegungsmöglichkeiten. 

Crestasee
Den Besuch des Crestasees kannst Du gut mit einer Wanderung zur Rheinschlucht und dem Caumasee verbinden.

Da der Caumasee und der Crestasee so nahe beieinander liegen, bietet es sich durchaus an, die beiden Bergseen in einer Wanderung zu kombinieren. Sehr beliebt ist die Vier-Seen-Wanderung, eine Rundwanderung mit Start- und Endpunkt in Flims, die einen Stopp bei beiden Seen beinhaltet.

2.7 Oeschinensee

Zeit für eine Reise in den Kanton Bern. Oder besser gesagt, zum faszinierenden und eiskalten Oeschinensee.

Mit einer Fläche von über 1 km² ist der Oeschinensee einer der grössten und meist fotografierten Bergseen der Schweiz. Auf allen Seiten umgeben von Bergen und Alpen, ist er insbesondere im Sommer ein heiss begehrtes Ausflugsziel.

Seit 2007 ist der Oeschinensee Teil des UNESCO Weltnaturerbes “Schweizer Alpen Jungfrau Aletsch”. Im Winter friert die Wasseroberfläche teilweise komplett zu, was sogar Eislaufen auf dem See ermöglicht. 

Gespiesen wird der Oeschinensee von umliegenden Gletschern und Bergbächen, was ihn auch im Hochsommer zu einem äusserst erfrischenden Badeerlebnis macht. Wenn Du also nach der Wanderung dringend eine Abkühlung brauchst, wird Dir dieser Temperaturschock Deine Schweissdrüsen gleich wieder versiegeln. 

Das Ufer des Oeschinensees ist sehr steil abfallend und je nach Wasserstand besser oder weniger gut begehbar. Ganz umrunden kannst Du den See nicht, aber es gibt einen schönen Spaziergang, den ich Dir empfehlen kann. Folge dazu dem Nordufer so weit es geht und versuche, die Wasserfälle am Ende des Sees zu erreichen. Dort hast Du in der Regel mehr Ruhe als am vorderen Ufer, wo die beiden Restaurants liegen und es teilweise sehr eng werden kann.

Da selbst die ausgeschmücktesten Prosagedichte nicht annähernd beschreiben können, wie schön der Oeschinensee ist, übergebe ich das Wort an eine Auswahl meiner Ferienfotos vom Lockdown-Sommer 2020.

Oeschinensee
Aufgrund der umliegenden Gletscher ist der Oeschinensee auch im Sommer eher kalt.
Oeschinensee Wasserfall
Der Weg ans Ende des Oeschinensees führt teilweise über Bäche und vorbei an Wasserfällen.
Panoramabild Oeschinensee
Der Oeschinensee gehört zu den grössten Schweizer Bergseen.

Erreichen kannst Du den See entweder zu Fuss oder mit der Gondel von Kandersteg aus. Falls Du zusätzlich zu einem Fotomarathon etwas mehr Aufregung suchst, kannst Du Dich auf der Rodelbahn austoben.

2.8 Blausee

Ein weiterer See mit bemerkenswertem Bekanntheitsgrad ist der Blausee. Wie der Name schon sagt, ist dieser See für sein klares, tiefblaues Wasser bekannt. Er liegt in derselben Region wie der Oeschinensee, ist mit diesem aber in keinster Weise zu vergleichen.

Erstens ist er sehr viel kleiner – nur etwa 100 m lang – und trumpft vor allem mit einer Eigenschaft. 

Fotogenität. 

Als aussergewöhnlich beliebtes Fotosujet schafft es der Blausee auf unzählige Kalenderbilder, Postkarten und Instagram Posts. Dies nicht zuletzt wegen der idyllischen Umgebung und dem tiefblauen Wasser, bei dem man sogar die Fische bis ins letzte Detail sieht. Das Glasbodenboot ist ein weiteres Highlight, das sich nur die Wenigsten entgehen lassen wollen.

Glasbodenboot Blausee
Während einer Fahrt auf dem Glasbodenboot kannst Du die Forellen aus nächster Nähe beobachten.

Solltest Du allerdings auf der Suche nach einem abgelegenen, ruhigen Örtchen sein und die Bergluft für Dich alleine geniessen wollen, bist Du am Blausee an der falschen Adresse. Er liegt mit dem Auto gut zugänglich in Kandergrund nicht fernab von der Hauptstrasse und wird täglich von mehreren Tourbussen besucht.

Zudem musst Du für den kleinen Naturpark, zu dem der Blausee gehört, zwischen 8.- CHF und 10.- CHF Eintritt bezahlen. Diese Tatsache ist eher untypisch für Schweizer Verhältnisse und die ganze Infrastruktur, die man auf den wunderschönen Fotos natürlich nicht sieht, kann einen abschreckenden Effekt haben. 

Falls Du Dich jedoch in der Gegend aufhältst und einen Spaziergang entlang der Waldwege um den Blausee machen möchtest, ist er auf jeden Fall einen Besuch wert. Erwarte einfach keinen Bergsee, den Du nur mit Wanderschuhen erreichst und mit einer Tageswanderung in den Alpen verbinden kannst.

klares Wasser im Blausee
Der Blausee macht seinem Namen alle Ehre.

2.9 Lauenensee

Ach, der Lauenensee. Ein Klassiker, der seinen hohen Bekanntheitsgrad durch ein schnulziges Lied der Schweizer Band “Span” erreicht hat. Den Liedtext dazu findest Du übrigens auf einer Tafel am Seeufer. 

Melancholie ist in diesem Fall vorprogrammiert.

Gleich neben dem eigentlichen Lauenensee befindet sich der kleine Lauenensee, der durch wenige Meter Sumpfgebiet von seinem grossen Bruder abgetrennt ist. 

Der Lauenensee ist durchschnittlich einen Meter tief, befindet sich in einem Moorgebiet in der Nähe von Gstaad im Berner Oberland und erwärmt sich aufgrund seiner geringen Tiefe sehr schnell. Baden ist hier möglich. Dazu benutzt Du am besten den Holzsteg, damit Du nicht im Sumpf stecken bleibst, bevor Du das Wasser überhaupt erreicht hast.

Den See kannst Du in etwa einer Stunde umrunden und es kommen etliche Wanderwege an diesem hübschen Gewässer vorbei. Während den Sommermonaten kannst Du mit dem Postauto von Gstaad anreisen. Oder Du kommst mit Deinem eigenen Auto und parkst es während Deinem Ausflug auf einem der gebührenpflichtigen Parkplätze.

Auch die Aufzählung der Schweizer Bergseen ist bei weitem nicht abschliessend, weshalb ich Dich einmal mehr für weiterführende Listen und Informationen auf die Schweizersee Website verweise. Schliesslich ist es höchste Zeit, dass wir uns einigen wichtigen Schweizer Flüssen widmen.

3. Flüsse in der Schweiz

Wenig verwunderlich sind auch die Flüsse in der Schweiz zahlreich. Schliesslich müssen all die Seen irgendwie miteinander verbunden werden. Die nachfolgende Aufzählung konzentriert sich auf die längsten und somit bekanntesten Flüsse, wobei die Liste auch hier nicht vollständig ist. 

Die Schweizerfluss Website bietet Dir weitere Schweizer Flüsse mit detaillierten Beschrieben, solltest Du ein kleiner Flussfanatiker sein. Ansonsten starten wir hier gleich mit dem Fluss, der innerhalb der Landesgrenzen die meisten Kilometer umfasst.

3.1 Rhein

Flusslauf Rhein
Der Rhein ist der längste Fluss der Schweiz und entspringt in den Alpen im Kanton Graubünden. (Grafik: Schweizerfluss)

Mit einer Gesamtlänge von über 1’200 km ist der Rhein der zehnt längste Fluss Europas. Davon befinden sich 392 km in der Schweiz. Sein Quellgebiet hat der Rhein im Kanton Graubünden, wobei oft der Tomasee als Quelle bezeichnet wird. 

Von dort aus macht er sich auf eine Reise durch das St. Galler Rheintal, durchquert den Bodensee, stürzt sich die Klippen des Rheinfalls hinunter und setzt seinen Lauf fort in Richtung Schaffhausen, bevor er sich schliesslich der Landesgrenze zu Deutschland entlang schlängelt und die Schweiz in Basel für sein Endziel, die Nordsee, verlässt.

Interessante Orte entlang des Rheins gibt es einige zu nennen. 

Da ist einerseits die beeindruckende Rheinschlucht, auch bekannt unter dem Namen “Swiss Grand Canyon”, die nicht weit von den beiden Bergseen Crestasee und Caumasee liegt. Diese imposante Schlucht ist 14 km lang und die Felswände ragen bis zu 350 m in die Luft. Erleben kannst Du die Rheinschlucht entweder zu Fuss, mit dem Fahrrad oder Bike oder mit einem Rafting Boot.

Ruinaulta
Die Rheinschlucht ist auch bekannt unter dem Namen „Swiss Grand Canyon“.

Ein zweites Highlight, das der Rhein zwischen dem Tomasee und Basel passiert, ist der Rheinfall, auf welchen ich im nächsten Teil genauer eingehen werde.

Auch genannt werden muss hier die Schifffahrt zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen. Diese idyllische Fahrt findet von Mai bis September täglich statt und verbindet zwei wunderschöne, historische Städte miteinander. Die Fahrt dauert etwas mehr als eine Stunde und kann zu einer Rundfahrt zurück zum Ausgangspunkt ergänzt werden.

Rheintal
Der Rhein fliesst durch das Rheintal bis in den Bodensee.

Ein beliebter Zeitvertreib von Herr und Frau Schweizer ist das gemütliche “mit dem Strom treiben lassen”, auch bekannt unter “Böötle”. Dabei schnappst Du Dir ein aufblasbares Wassergefährt wie zum Beispiel ein Einhorn, ein Gummiboot, einen Flamingo oder eine Luftmatratze, begibst Dich in einen Fluss und lässt Dich mit der Masse nach unten treiben.

Diese Aktivität ist so ziemlich auf jedem Fluss möglich und im Rhein gibt es diverse Stellen, die dafür geeignet sind. Wirklich berühmt für seine “Böötle”-Eskapaden ist jedoch ein anderer Fluss…

3.2 Aare

Flusslauf Aare
Die Aare ist der zweitlängste Fluss der Schweiz und ein regelrechtes Mekka für „Böötler“. (Grafik: Schweizerfluss)

Es gibt vermutlich keinen Fluss, der mehr Menschen – beziehungsweise aufblasbare Flamingos und Einhörner – anzieht, als die Aare zwischen Thun und Bern. Ausführliche Beschreibungen hierzu findest Du in diesem Artikel, der in unserem Swiss Activities Blog publiziert wurde.

Aber immer schön der Reihe nach.

Die Aare ist mit einer Länge von 314 km der längste, komplett in der Schweiz liegende Fluss. Ihre Quelle liegt beim Unteraargletscher im Grimselgebiet, welcher auf der Grenze zwischen den Kantonen Bern und Wallis liegt. Danach macht sie sich auf durch die Aareschlucht, durchfliesst den Brienzersee und verbringt nach einem kurzen Stück in Interlaken einen Moment im Thunersee, bevor sie weiter nach Bern strömt. 

Von Bern aus fliesst die Aare zum Bielersee, stattet Solothurn – der schönsten Barockstadt der Schweiz – einen Besuch ab und durchquert zu guter Letzt die Stadt Aarau, bevor sie schlussendlich bei Koblenz in den Rhein fliesst.

Was für eine Reise. 

Solothurn
Die Aare am Jurasüdfuss kurz vor Solothurn

Alle sehenswerten Ortschaften unterwegs aufzuzählen würde einmal mehr den Rahmen dieses Artikels sprengen. Und da es entlang der Aare eigentlich überall sehr schön ist, kommt es nicht einmal gross darauf an, wo Du ihr einen Besuch abstattest.

Sehr imposant ist jedoch die Aareschlucht, die sich hinter Meiringen befindet. Diese 1.4 km lange und bis zu 200 m tiefe Schlucht ist mit einem Holzsteg erschlossen und kann in einem Halbtagesausflug von Interlaken oder Brienz aus besucht werden. Zum Beispiel in Kombination mit einer Schiffsfahrt auf dem Brienzersee und einem kurzen Abstecher bei den Giessbachfällen?

Aareschlucht
Die Aareschlucht ist auf ihrer gesamten Länge über einen Holzsteg begehbar.

Zwischen Solothurn und Biel verkehren auf der Aare zwischen Mai und Oktober dreimal täglich Passagierschiffe. Eine Reise, die mit der Durchquerung einer Schleuse bei Port vor Biel und dem Besuch der Storchenstation in Altreu sicher nicht langweilig wird.

3.3 Rhone

Flusslauf Rhone
Die Rhone fliesst durch die Westschweiz und überquert die Landesgrenze in Genf. (Grafik: Schweizerfluss)

Die Rhone ist der wichtigste Fluss der Westschweiz und hat seinen Ursprung im Gotthardmassiv im Kanton Wallis. Auf einer Länge von 264 km schlängelt sie sich durch das Rhonetal im Wallis, bevor sie bei Les Grangettes – einem Naturschutzgebiet in der Nähe des Château de Chillon – in den Genfersee fliesst. 

Château de Chillon
Die Rhone fliesst in der Nähe vom Château de Chillon in den Genfersee.

In Genf verlässt sie den See wieder und setzt ihre Reise durch die Schweiz fort, bevor sie nach einem kurzen Stück nach Frankreich in Richtung Mittelmeer abfliesst.

Schifffahrten können auf diesem Fluss leider keine unternommen werden. Zumindest nicht in der Schweiz. Flusskreuzfahrten auf der Rhone gibt es diverse, jedoch finden diese alle in Frankreich statt. Dann vielleicht doch lieber gemütlich auf einem Gummiboot mit dem Strom treiben lassen, oder?

3.4 Reuss

Flusslauf Reuss
Die Reuss ist der vierlängste Fluss der Schweiz. (Grafik: Schweizerfluss)

Der viertlängste Fluss in der Schweiz ist die Reuss. Mit einer Länge von 166 km zwischen dem Gotthardmassiv und der Aare im Kanton Aargau liegt auch die Reuss komplett auf Schweizer Boden.

Im Vergleich zu anderen Flüssen, wie beispielsweise dem Rhein oder der Aare, macht sich die Reuss auf eher direktem Weg von der Quelle auf in Richtung Norden. 

Nach einem kurzen Abstecher in Flüelen – dem Umsteigepunkt des Gotthard Panorama Express – fliesst sie in den Vierwaldstättersee, welchen sie in Luzern wieder verlässt. Danach unterquert sie die berühmte Kapellbrücke, stattet der hübschen Aargauer Stadt Bremgarten einen Besuch ab und macht sich auf zum sogenannten Wasserschloss, derjenigen Stelle im Kanton Aargau, wo die Aare und die Reuss in den Rhein münden.

Kappellbrücke Luzern Vierwaldstättersee
Die Reuss fliesst in Luzern unter der berühmten Kapellbrücke durch.

Du ahnst es bereits. Auch auf der Reuss ist das “Böötle” ein gängiger Zeitvertrieb. Bestens geeignet ist der 24 km lange Abschnitt zwischen Bremgarten und Gebensdorf. Es gibt jedoch zusätzliche Strecken, die Dir hier genauer erläutert werden.

Kursschiffe verkehren auf der Reuss leider keine. Es bleibt Dir also nichts anderes übrig, als diesen Fluss mit dem Fahrrad, zu Fuss, zu Einhorn oder bewaffnet mit einer Badehose zu erkunden.

3.5 Thur

Flusslauf Thur
Die Thur ist die Namensgeberin des Kantons Thurgau und entspringt im Alpsteingebirge. (Grafik: Schweizerfluss)

So wie die Aare für die Namensgebung des Kantons Aargau verantwortlich ist, verdankt der Kanton Thurgau seinen Namen der Thur. Ihren Ursprung hat sie am Säntis, dem höchsten Berg des Alpstein Gebirges. Während ihrer 135 km langen Reise durchfliesst sie zuerst Toggenburg, macht einen Bogen um das Städtchen Wil und zieht im Kanton Thurgau vorbei an etlichen Auenwäldern, Kulturlandschaften mit Obst- und Weinbau und hübschen Dörfern mit ihren traditionellen und typischen Riegelbauten. 

Nach Frauenfeld, dem Hauptort des Kantons Thurgau, sind es nochmals rund 25 km, bevor die Thur im Zürcher Weinland in den Rhein mündet. Somit ist die Thur der dritte Fluss in unserer Aufzählung, der zu 100% in der Schweiz liegt.

Die flachen Ufer mit teilweise langen Stein- und Sandbänken sind sehr beliebt für Badeausflüge. Dank der vielen Feuerstellen zieht es auch immer wieder hungrige Mäuler an, die ihre Wurst oder ihr Schlangenbrot über dem Feuer zubereiten und mehrere Stunden an der Thur verbringen.

Thur
Die Thur kurz vor ihrer Einmündung in den Rhein.

Auf ihrem letzten Abschnitt bis zur Mündung in den Rhein ist die Thur ein beliebtes Revier für Wassersportler, welche mit den Schlauchbooten und Kanus unterwegs sind. Aber auch mit dem Fahrrad oder zu Fuss lässt sich die schöne Gegend um den Fluss bestens erkunden. 

Es gibt sogar den Thurweg, der dem Flussverlauf von Wildhaus bis zur Mündung in den Rhein folgt. Solltest Du Dich also vertieft mit der Thur auseinandersetzen wollen und hast einige Tage zur Verfügung, könnte Dich diese Wanderung interessieren

3.6 Ticino

Flusslauf Ticino
Der Kanton Tessin hat seinen Namen dem Fluss „Ticino“ zu verdanken. (Grafik: Schweizerfluss)

Es gibt einen weiteren Kanton, der seinen Namen einem Gewässer verdankt. Der warme und sonnige Süden der Schweiz wird aufgrund des 248 km langen Flusses “Tessin”, oder auf Italienisch “Ticino“, genannt. 

Der Ticino hat seinen Ursprung im Gotthardmassiv auf einer Höhe von 2’545 Metern über Meer und fliesst danach während 91 km durch die Schweiz, bevor er das Land im Lago Maggiore verlässt. Sein Endziel hat der Ticino etwa 40 km südlich von Mailand, wo er in den Po mündet. 

Auf seiner Reise von den Alpen in den Lago Maggiore kommt der Ticino an diversen Sehenswürdigkeiten vorbei. Einerseits ist da die romanische Kirche San Nicolao in Giornico, andererseits die drei Burgen von Bellinzona, die zum UNESCO-Welterbe gehören. Nach Bellinzona durchfliesst der Ticino die fruchtbare Magadinoebene. Hier ist der Fluss besonders ruhig und eignet sich perfekt für eine gemütliche “Böötle”-Tour

Schliesslich gehören aufblasbare Einhörner und Flamingos auch im Kanton Tessin zu den einheimischen Tieren.

Magadinoebene
Der Ticino mündet am Ende der Magadinoebene in den Lago Maggiore.

Wanderwege entlang des Ticino gibt es unzählige. Einerseits verläuft oberhalb des Flusses der Tessiner Anschlussweg zum Jakobsweg. Aber auch direkt am Ticino findest Du diverse Wander- und Fahrradwege. In der Magadinoebene verlaufen diese wesentlich flacher, während Du weiter oben mit steileren Abschnitten rechnen musst.

3.7 Maggia

Flusslauf Maggia
Die Maggia ist ein kaltes aber beliebtes Ausflugsziel für Schweizer – insbesondere während den Sommerferien. (Grafik: Schweizerfluss)

Da wir uns bereits im Tessin befinden, bleiben wir für den Moment hier. 

Von der Länge her ist die Maggia mit ihren 58 km einiges weniger beeindruckend als einige andere Kandidaten auf dieser Liste. Aber da sich die meisten Schweizer Kinder während ihren Sommerferien das eine oder andere Mal todesmutig von den hohen Steinklippen in die eiskalte Maggia gestürzt und danach in der Schule mit ihren waghalsigen Stunts angegeben haben – Anwesende eingeschlossen – muss sie hier erwähnt werden.

Der Kanton Tessin ist ein sehr beliebter Ferienkanton für die Schweizer Bevölkerung und somit überrascht es wenig, dass der wunderschöne, türkisblaue und glasklare Fluss in den Sommermonaten mehr als gut besucht ist. 

Abenteurer sowie Faulenzer finden im Maggiatal genau das, was sie suchen. Die von der Sonne gewärmten Steinformationen sind perfekt, um sein Strandtuch auszubreiten und einen Tag mit Lesen, Picknicken und Ausruhen zu verbringen. 

Steine in der Maggia
Auf den Steinen an der Maggia lässt es sich bestens ausruhen.

Gleichzeitig kann in der Maggia an vielen Stellen gebadet werden, wobei etwas Vorsicht nicht schadet. An den reissenden Stellen oder inmitten vieler Steine würde ich Dir nicht empfehlen, in den Fluss zu springen. Überlasse diese Abschnitte lieber den Raftern und Kanufahrern und suche Dir einen ruhigeren Ort. 

Wandern kannst Du an der Maggia übrigens länger als Du Zeit hast. Die Wanderwege sind zahlreich und Fotomöglichkeiten werden sich Dir unzählige bieten.

Um auf Nummer sicher zu gehen, muss ich hier etwas anfügen. Die Maggia entspringt in den Bergen und überwindet auf einer vergleichsweisen kurzen Strecke ziemlich viele Höhenmeter. Das heisst, wenn es in den Alpen regnet, kann sich sehr schnell viel Wasser ansammeln, das sich in das Tal hinunterstürzt. 

Maggia
Bei Regenfall kann sich die Maggia innert kürzerster Zeit in einen reissenden Fluss verwandeln.

Es kommt tragischerweise immer wieder vor, dass sich Personen in der Nähe der Maggia oder sogar im Fluss aufhalten, wenn das Wasser plötzlich innert kürzester Zeit an Masse und Geschwindigkeit zulegt. Deshalb rate ich Dir, zur Sicherheit einen Blick auf den Wetterbericht zu werfen, bevor Du Dich in Richtung Maggia begibst. Auch wenn der Himmel im Tessin strahlend blau ist und Du keine Wolke am Himmel siehst, kann es in den Alpen zu Regenfall kommen.

3.7 Inn

Flusslauf Inn
Der Inn verbringt nur einen kurzen Teil seiner Karriere in der Schweiz. (Grafik: Schweizerfluss)

Der vorerst letzte Fluss, den ich Dir heute vorstelle, ist der Inn. Er ist insgesamt über 500 km lang, wovon nur die ersten 105 km in der Schweiz liegen. Das Quellgebiet des Inns liegt im Oberengadin und bevor er durch das Engadin in Richtung Österreich und Deutschland abfliesst, durchquert er mehrere Seen. Die drei Bekanntesten sind der Silsersee, der Silvaplanersee und der St. Moritzersee.

Für Adrenalin-Junkies bieten sich auch hier diverse Möglichkeiten zum River Rafting und Kanufahren. Für etwas weniger Abenteuerlustige lässt es sich an seinen Ufern bestens Steintürme bauen, Picknicken, Wandern und Fahrradfahren. Übrigens führt auch hier der Jakobsweg vorbei, dem Du einige Kilometer folgen kannst.

Engadin
Der Inn fliesst durch das Engadin und verlässt danach die Schweiz in Richtung Österreich.

Aufgrund der hohen Lage des Engadins ist es in diesem Gebiet tendenziell kälter als in der übrigen Schweiz, weshalb der Inn nicht mit warmem Badewasser angeben kann. Auch nicht im Sommer.

Und somit hätten wir die Vorstellungsrunde einiger wichtiger und bekannter Schweizer Flüsse abgeschlossen. Machen wir uns nun auf zum nächsten Thema: den stürzenden Flüssen – auch bekannt unter “Wasserfälle“.

4. Wasserfälle in der Schweiz

Mit ihren vielen steil abfallenden Felswänden und den unzähligen Bergbächen ist die Schweiz prädestiniert für eine Vielzahl an Wasserfällen. Wenn Dich Deine Wanderung in den Alpen an einen Bach führt, ist die Chance gross, dass Du früher oder später mit einem Wasserfall in Kontakt kommst.

Um einen spektakulären Wasserfall zu sehen ist es jedoch nicht einmal zwingend, sich in höhere Lagen zu begeben. Auch im flachen, tiefer gelegenen Mittelland findest Du diverse Wasserfälle. Einer davon hat es sogar an die Spitze der grössten Wasserfälle Europas geschafft.

4.1 Rheinfall

Der Rhein, den Du bereits kennengelernt hast, hat gleich zwei Superlative vorzuweisen. Nicht nur ist er der längste Fluss der Schweiz, er beherbergt auch den grössten Wasserfall Europas. 

Der Rheinfall hat eine Breite von 150 m und ist 23 m tief. Im Sommer transportiert er pro Sekunde ganze 600’000 Liter Wasser, was einer Menge von über 3’300 Badewannen entspricht. Nicht schlecht für einen Wasserfall, der plötzlich aus einem unschuldig und ruhig dahintreibenden Fluss entsteht, oder?

Rheinfall bei Neuhausen
Der Rheinfall ist der grösste Wasserfall Europas.

Der Rheinfall ist weltberühmt und Touristen aus aller Welt strömen jahrein, jahraus nach Neuhausen, um sich das tosende Wasser genauer zu Gemüte zu führen. Der Zugang zum Rheinfall am Nordufer ist kostenlos, während der Besuch des Südufers mit dem Schloss Laufen 5.- CHF Eintritt kostet. 

Es besteht auch die Möglichkeit, den Wasserfall in unmittelbarer Nähe auf einem Schiff zu erleben. Rechne hier jedoch nicht damit, dass Du diese Rundfahrt in trockenem Zustand überstehst.

Der Rheinfall mit dem Schiff
Trockenbleiben steht hier definitiv nicht auf dem Programm.

4.2 Trümmelbachfälle

Eine Vielzahl an bekannten und oft besuchten Wasserfällen befindet sich im Kanton Bern. 

So gehören auch die Trümmelbachfälle im Lauterbrunnental, welches nicht umsonst das ”Tal der 72 Wasserfälle“ genannt wird, dazu. Es handelt sich dabei um die weltweit einzigen, unterirdisch zugänglichen Gletscherwasserfälle. Erschlossen sind sie durch Galerien, Tunnel, diverse Wege und Plattformen. 

Der Grossteil der Begehung findet unterirdisch, also im Fels, statt. Durch die Feuchtigkeit, die der Gletscherbach von sich gibt, ist es teilweise sehr rutschig auf den Wegen und auch im Sommer wird es an gewissen Stellen eher kalt. Ich empfehle Dir deshalb, Deine Flipflops für diesen Besuch im Tal zu lassen und zudem einen warmen Pullover mitzunehmen. 

Somit kannst Du Dich getrost an den übrigen Touristen amüsieren, die sich frierend mit ihrem unpassenden Schuhwerk die nassen Wege hochkämpfen.

Um die Trümmelbachfälle zu besuchen, benötigst Du ein Ticket, welches Du für 12.- CHF am Eingang kaufen kannst. Der Zutritt ist nicht das ganze Jahr über möglich und abhängig von den Wetterverhältnissen. Die Saison dauert in der Regel von April bis November. Dies kann jedoch variieren, weshalb Du vor Deinem Besuch am besten die genauen Öffnungszeiten überprüfst. 

Ansonsten heisst es: warm anziehen, Kamera griffbereit halten und dem Tosen der imposanten Trümmelbachfälle lauschen.

Trümmelbachfälle
Die Trümmelbachfälle verlaufen grösstenteils unterirdisch.

4.3 Staubbachfall

Die Chance, dass Du den Staubbachfall schon einmal gesehen hast, ist sehr gross. Er ziert das Cover des Lonely Planet Reiseführers für die Schweiz und ist Teil des typischen Fotos, das so ziemlich jeder Tourist in Lauterbrunnen schiesst. 

Seine Anziehungskraft hat er jedoch nicht erst seit gestern. Angeblich fand Goethe in dem Wasserfall die Inspiration für sein Werk “Gesang der Geister über den Wassern”. Sein Name kommt übrigens daher, dass sich sein Wasser in den Sommerwinden teilweise in alle Richtungen “zerstäubt”. 

Mit fast 300 m Fallhöhe ist der Staubbachfall der dritthöchste Wasserfall der Schweiz. Zugänglich ist er über eine Galerie, welche von Mai bis Oktober geöffnet ist. Diese erreichst Du über einen Weg, der am Fuss des Wasserfalls beginnt. Zudem kannst Du den Staubbachfall während der Gondelfahrt von Lauterbrunnen zur Grütschalp bestens beobachten.

Staubbachfall
Der Staubbachfall hat es auf das Cover des „Lonely Planet Switzerland“ geschafft.

4.4 Mürrenbachfall

Ein weiteres Naturspektakel im Lauterbrunnental ist der Mürrenbachfall. Er befindet sich mehr oder weniger gegenüber der Trümmelbachfälle und ist mit 417 m Höhe der höchste Einzelwasserfall der Schweiz. Gut sichtbar ist er während einer Gondelfahrt von Lengwald nach Mürren oder vom Lauterbrunnental aus. 

Mürrenbachfall
Der Mürrenbachfall ist der höchste Einzelwasserfall der Schweiz.

Der Fuss des Wasserfalls ist auch zu Fuss erreichbar und es gibt diverse Wanderungen, die am Mürrenbachfall vorbeiführen.

4.5 Giessbachfälle

Ohne Eintritt und das ganze Jahr über zugänglich sind die wunderschönen Giessbachfälle am Brienzersee. In 14 Stufen stürzen Sie sich auf einer Gesamtlänge von über 500 m die Felswand hinunter und enden gleich hinter dem majestätischen Grandhotel Giessbach.

Du wirst erstaunt sein, wie nahe Du an das tosende Wasser herankommst. Einen kurzen Fussmarsch vom Giessbach Hotel entfernt, führt der Wanderweg direkt hinter dem Wasserfall durch, wobei Du eine beeindruckende Aussicht auf das Grandhotel und die dahinterliegende Brienzerseelandschaft erlangst. 

Giessbachfälle
Die Giessbachfälle kannst Du aus nächster Nähe erleben.

Auch hier wirst Du definitiv nicht trocken bleiben. Insbesondere dann, wenn Du von der beeindruckenden Geräuschkulisse so fasziniert bist, dass Du nicht sofort hinter dem nassen Vorhang hervorkommen willst. 

Alles hat seinen Preis. 😉 

Am besten erreichst Du die Giessbachfälle, indem Du mit dem Schiff von Interlaken oder Brienz aus anreist. Danach führt ein Wanderweg vom Seeufer hoch zu den Fällen. Es besteht auch die Möglichkeit, mit der Standseilbahn bis zum Grandhotel zu fahren und den kurzen Fussmarsch zurückzulegen.

Zudem gibt es diverse Wanderungen, die an den Giessbachfällen vorbeiführen, wie beispielsweise diejenige von Iseltwalt: dem See entlang und schliesslich hoch zu den Giessbachfällen. 

4.5 Simmenfälle

Zuhinterst im Simmental, welches sich ebenfalls im Berner Oberland befindet, bahnen sich die Simmenfälle ihren Weg ins Tal. Ihr kaltes und klares Bergwasser erhalten sie von den darüberliegenden Gletschern. Die Gegend eignet sich somit mehr als Ort zum Verweilen, Fotos schiessen und Bestaunen als um ein Bad zu nehmen.

Zugänglich sind die Simmenfälle ganzjährig und Eintritt muss keiner bezahlt werden. Zudem sind sie mit dem Postauto über die Haltestelle “Simmenfälle” sehr einfach erreichbar.

Simmenfälle
Die Simmenfälle findest Du zuhinterst im Simmental.

4.6 Reichenbachfall

Es mag unfair erscheinen, aber auch dieser Wasserfall findet sich im Kanton Bern wieder. Genau genommen im Haslital, nicht weit entfernt von der Aareschlucht…

Auch mit dem Reichenbachfall hast du allenfalls bereits die Bekanntschaft gemacht. Hier hat Sir Arthur Conan Dolye seine Figur Sherlock Holmes während dem Kampf mit Jim Moriarty seinen Tod vortäuschen lassen. 

Reichenbachfall
Der Reichanbachfall wurde durch eine nervenaufreibende Szene in Sherlock Holmes berühmt.

Aufgrund dieser tragischen und nervenaufreibenden Filmszene, erlangte der Reichenbachfall umgehend die Weltberühmtheit, an welcher er sich heute noch erfreut. Solltest Du Dich also zu den eingefleischten Sherlock-Fans zählen, ist der Besuch des hinteren Haslitals praktisch ein Muss.

Zum Reichnbachfall gelangst Du entweder mit der Bahn oder zu Fuss. Da der Wasserfall im Winter kaum Wasser führt, empfiehlt sich ein Besuch eher während den Betriebszeiten der Bahn – zwischen Mai und Oktober.

4.7 Wasserfall Foroglio

Zum Abschluss verlassen wir das von Wasserfällen verwöhnte Berner Oberland und begeben uns für die letzten beiden Kandidaten in andere Bereiche der Schweiz.

Auch das Tessin ist reich an Wasserfällen, wobei sich ein besonders spektakulärer in Foroglio im oberen Maggiatal befindet. Der Wasserfall von Foroglio erreicht eine Höhe von rund 110 m und ist nicht zuletzt wegen seiner Nähe zu den niedlichen Steinhäusern dieses Bergdorfes äusserst fotogen. 

Wasserfall Foroglio
Der Wasserfall in Foroglio ist 108 m hoch. (Foto: MySwitzerland)

Ganz einfach zu erreichen ist diese Ecke der Schweiz allerdings nicht. Zwischen April und Dezember gibt es täglich fünf Postautoverbindungen von Locarno via Bignasco nach Fornoglio, was einiges an Planung voraussetzt. Mit einem Auto bist Du in diesem Fall sicher besser aufgehoben, um in den gefühlt hintersten Winkel des Tessins zu gelangen. 

Foroglio im Tessin
Foroglio im Kanton Tessin ist nicht ganz einfach zu erreichen.

4.8 Berglistüber

Zu guter Letzt kommen wir zu einem Wasserfall mit einem etwas spezielleren Namen – dem Berglistübler. Er befindet sich im hinteren Glarnertal, einem wahren Wasserschloss. Aufgrund der unzähligen, steilen Felswände lassen sich immer wieder Bäche erkennen, die sich die Berge hinunterstürzen.

Dazu gehört auch der Berglistüber, welcher nur fünf Minuten zu Fuss vom ehemaligen Restaurant Bergli an der Klausenpassstrasse liegt. Oder besser gesagt “fällt“. Erreichbar ist er entweder mit dem Auto oder mit dem Postauto, wobei Du bei der Haltstelle „Linthal, Bergli” aussteigen musst. 

Berglistüber
Der Berglistüber ist von der Klausenpassstrasse her einfach zugänglich. (Foto: MySwitzerland)

Dieser Wasserfall ist eher ein willkommener Zwischenstopp unterwegs über den Klausenpass als ein eigentliches Ausflugsziel. Es führt allerdings ein Wanderweg von Linthal am Berglistüber vorbei. Es kann aber vorkommen, dass der Fussweg zum Wasserfall aufgrund von Holzschlag gesperrt ist. Am besten informierst Du Dich vorab auf der untenstehenden Wanderkarte, ob der Wasserfall zugänglich ist. 

Falls Du Dich als Wasserfall-Junkie bezeichnen würdest, kann ich Dir für weiterführende Informationen und Aufzählungen zusätzlicher Schweizer Wasserfälle diese Website empfehlen. 

Ansonsten kennst Du nun die wichtigsten Gewässer der Schweiz, was nur noch einen kurzen Exkurs in die Welt der Schweizer Brunnen übrig lässt. Denn die Schweizer Gewässer sind nicht nur ideal für Natur-, Sport- und Fotografiebegeisterte, sondern bieten auch etwas für Deinen durstigen Rachen.

5. Brunnen in der Schweiz

Etwas, das ich nach jeder Auslandreise zurück in der Schweiz immer wieder von Neuem schätze, ist die unendliche Verfügbarkeit an Trinkwasser. Ob nun am Bahnhof, in der Stadt, in einem kleinen Dorf irgendwo im Nirgendwo oder auf einer Wanderung – der nächste Brunnen mit Trinkwasser ist selten weit entfernt. 

Es gibt sogar eine interaktive Karte, auf der sich eine Vielzahl an Trinkwasserquellen finden lässt. Natürlich ist nicht restlos jeder Brunnen aufgeführt, aber Du erhältst einen groben Überblick über die Schweizer Brunnenlandschaft. 

Wasserbrunnen in Luzern
An Trinkwasser mangelt es in der Schweiz fast nirgends. (Foto: Lucerne Water)

Generell gilt bei Brunnen in der Schweiz: Falls Du kein Schild mit “kein Trinkwasser” vorfindest, darfst Du davon ausgehen, dass Du Deine Trinkflasche damit auffüllen kannst. 

Etwas mehr Vorsicht geboten ist allerdings in Berggebieten, wo das Wasser teilweise von den umliegenden Tierweiden verschmutzt sein kann. Wenn Du sicher sein willst, dass Du Dir nichts einfängst, füllst Du Deine Flasche am besten bei einer Alphütte und nicht direkt inmitten einer Kuhweide.

In vielen Städten werden die teilweise pompös und mit Statuen bestückten Brunnen regelrecht zelebriert und auf diversen Websites publiziert. So hat Luzern beispielsweise einen Brunnenguide inklusive interaktive Karte erstellt, und auch Zürich macht kein Geheimnis aus seinen über 1’200 Brunnen. 

Brunnen in Zürich
Oft sind Brunnen an erster Stelle als Kunstwerke und erst danach als Trinkwasserquellen zu verstehen.

Du siehst also, die Schweiz macht ihrem Ruf als Wasserschloss Europas alle Ehre. Falls Du auf Deiner Reise ein Gewässer entdeckst, das ich hier nicht erwähnt habe, würde ich mich freuen, wenn Du Deine Errungenschaft in den Kommentaren mit uns teilen würdest. 

Ansonsten wünsche ich Dir viel Spass mit den vielen Schweizer Gewässer.

 

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